#writingfriday: Der Streit. Oder wie eine Sitzung eine andere Richtung einschlug

Der Streit.

Oder wie eine Sitzung eine komplett andere Richtung nahm

#writingfriday

 

Es ist mal wieder Freitag und somit Zeit für den #writingfriday, eine Aktion von Elizzy von Read Books and fall in Love. Auch für diesen Monat hat sich Elizzy wieder einige neue, tolle Themen ausgedacht.

Schreibthemen August

  • Schreibe eine Geschichte, die mit dem Satz „Luna war so verliebt aber niemand hätte damit gerechnet, dass…“ beginnt.

  • Beschreibe einen Tag im Leben einer Plastikflasche.
  • Schreibe eine Geschichte zu folgender Situation; Du betrittst einen schummrigen, alten Laden und kaufst …(Platz für eigene Idee)… dafür wirst du dann aber verfolgt.
  • Schreibe eine Danksagung an dein Bücherregal.
  • Du bist Paartherapeutin, erzähle von einer Sitzung.

Die Regeln im Überblick:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen

Der Streit

oder wie eine Sitzung eine komplett andere Richtung nahm

Ich war Paartherapeutin und ich liebte meinen Job. Es hatte schon einige gegeben, denen ich hatte helfen können. Zwar waren da auch ein paar andere, bei denen jede Therapie nichts mehr genützt hatte. Aber das waren dann die, die sich einfach zu spät zu einer Therapie entschlossen hatten. Ich sah auf die Uhr. Noch eine Sitzung, dann hatte ich endlich drei Wochen Urlaub. Allerdings bedeutete diese Sitzung auch, dass ich gleich wieder so ein extremes Problem- Paar hatte, eines von denen ich annahm, dass ohnehin jede Hilfe zu spät kam. Außerdem vermutete ich ganz stark, dass sie meine Ratschläge zu Hause ohnehin nicht umsetzten. Das ging zumindest aus den kurzen Gespächen hervor, die ich mit dem Mann, Lars Meyer, allein geführt hatte. Um diese Einzeltreffen hatte Herr Meyer mich ein paar Mal gebeten und da hatte ich bemerkt, wie sehr er doch unter der offenbar cholerischen Frau litt. Irgendwie hoffte ich trotz allem, dass ich auch hier noch helfen konnte oder wenigstens eine Familientherapeutin, denn das eigentlich Problem schien beim Kind zu liegen, wenn auch nur indirekt. Denn es hatte den Anschein, dass die Ehefrau, Jennifer Meyer, das Kind viel zu sehr in den Mittelpunkt stellte. Doch wie recht ich mit meiner Vermutung behalten sollte, dass bei den Meyers jede Hilfe zu spät kam, sollte ich jedoch schon sehr bald erfahren.

Pünktlich um 14 Uhr klopfte es an der Tür und meine Assistentin Lisa teilte mir mit, dass die Meyers eingetroffen wären und ließ sie dann auf mein Geheiß eintreten.

Schon beim Eintreten merkte ich, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Es lag so eine Spannung in der Luft, fast greifbar, wie sie manchmal auch vor starken Gewittern ist. Zwar versuchten sie am Anfang noch sich zu beherrschen und antworteten auch ganz normal auf meine Fragen, wie und ob sie denn meine Hilfestellungen hatten umsetzen können. "Ja", antwortete Lars Meyer. "Wir haben versucht, alles umzusetzen." Und da ging es los. "Naja, versucht hast Du es zumindest. Aber wie immer und wie bei allem versagst du, du Waschlappen!", antwortete Frau Meyer. Oh, oh, sowas hatte ich jetzt tatsächlich noch nie erlebt. Sofort versuchte ich, einzulenken und Frau Meyer erst mal abzulenken. "Wieso meinen sie, er hat es "nur" versucht, Frau Meyer?" " Naja, er macht immer noch nicht alles so, wie ich es ihm sage," antwortete sie mir. "Wieso, wie sie es ihm sagen? Er ist doch ihr Mann und kein kleines Kind, dem man alles sagen muss." Jetzt mischte sich auch Herr Meyer wieder ein: "Es gibt doch viele verschiedene Arten, zu einem Ergebnis zu kommen und überhaupt ich mache ja neben meinem Job auch zusätzlich noch den ganzen Haushalt. Du bist doch den ganze Tag zu Hause und außer Kevin herumzufahren und zu bespaßen, machst du gar nichts. Irgendwas könntest du mir auch mal abnehmen." "Ja, aber das ist wenigstens noch Arbeit. Da muss ich ja noch was tun. Das kann ich von deinem Job in der Bank ja nicht gerade behaupten. Du bist doch nur den ganzen Tag im Büro und irgendwie wundert es mich jetzt gar nicht mehr, dass es da auch nicht läuft, wenn du nie tust, was man dir sagt." "Wie meinen sie das denn jetzt wieder, Frau Meyer?", versuchte ich wieder einzulenken. Irgendwie hatten mich die beiden offenbar völlig vergessen. So etwas war mir echt noch nie passiert. "Manchmal, wenn er abends nach Hause kommt, behauptet er, völlig kaputt zu sein und dass es mal wieder alles schrecklich war." "Sagen sie mal, Frau Meyer, ist ihnen eigentlich noch nie bewusst geworden, dass so ein langer Arbeitstag in der Bank auch anstrengend sein kann? Sie waren doch auch mal Angestellte, haben sie mal erzählt." "Frau Schäfer hat recht", mischte sich jetzt auch Herr Meyer wieder ein. "Du siehst doch schon an der Schule. Der Druck in der Gesellschaft und auch in den Firmen wird einfach immer größer. Schließlich werden die, die nicht die erforderlichen Leistungen bringen, auch sehr schnell aussortiert." "Ja, dann muss man sie eben stärker behaupten. Man kann auch mal laut werden," antwortete Frau Meyer. "Ja, man kann anderen mal seine Meinung sagen, aber anschreien, so wie du es bei egal wem machst, dass geht einfach nicht." "Aber nur weil du dazu einfach zu feige bist!" Jetzt schrie Frau Meyer schon fast. "Aber ohnehin ist mir sowas Minderwertiges wie du  noch nie untergekommen, Lars!" Oh weh, das hatte gesessen. Ich sah, wie Herr Meyer puterrot anlief. Kein Wunder, ihm musste es peinlich sein und der Ärger kam auch noch dazu. Mir selbst war es auch äußerst unangenehm. So etwas war mir echt noch nie passiert. Und offenbar hatte ich recht behalten. "Wissen sie was? Ich glaube, es wäre besser, wenn sie sich wenigstens mal zeitweise trennen. Dann können sie sich besser klar werden, ob sie ihre Beziehung überhaupt noch fortsetzen wollen. So kann ich ihnen nämlich nicht helfen," antwortete ich. 

 

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