#writingfriday: Das Portal in eine andere Welt

Das Portal in eine andere Welt

#writingfriday Woche 2

Die Regel:

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht

  • Wählt aus einem der vorgegebenen Schreibthemen

  • Schreibt eine Geschichte/ ein Gedicht/ ein paar Zeilen - egal, Hauptsache, ihr übt euer kreatives Schreiben

  • Vergesst nicht, den Hashtag #writingfriday und den Header zu benutzen

  • Schaut unbeding bei euren Schreibkamerade vorbei und lest euch die Geschichten durch

  • Habt Spaß und versucht, von einander zu lernen

DIE SCHREIBTHEMEN IM JANUAR

Das Portal in eine andere Welt

Es gab da diese eine kleine Stadt weit außerhalb. Diese Stadt war schwer zu erreichen. Die einzige Möglichkeit, diese Stadt im Winter überhaupt zu erreichen, war eine Fahrt über einen gefrorenen Fluss. Und doch: Es war eine Stadt, wie es in dieser Gegend einige von ihnen gab. Diese kleine Stadt lag direkt an den Ausläufern eines kleinen Wäldchens. Im Inneren des Wäldchens, wenn man dem kleinen Trampelpfad von der Stadt ausgehend folgte, kam man schließlich zu einer Lichtung und auf dieser Lichtung befand sich ein See. Dieser See war dasjenige, durch das sich das Städtchen von anderen abhob. Unter den Bewohnern des Städtchens hielten sich Legenden, dass dieser See im Winter, wenn er gefroren war, ein Portal zu einer anderen Welt sei. Daher hielten sich ganz besonders die kleinen Kinder und die Erwachsenen von ihm fern - im Winter. Bei den Jugendlichen gab es hingegen immer wieder Mutproben bezüglich des Sees. Allerdings verschwanden auch immer wieder welche und tauchten nicht mehr auf. Unter ihnen war auch Lisas ältere Cousine Lilly. Diese war jedoch erst kürzlich verschwunden. Für Lisa war dieser Verlust sehr schwer, da sich die beiden sehr nahegestanden hatten und so fasste Lisa, die nicht viel jünger war als Lilly eines Tages einen Entschluss: Sie würde zu dem See wandern und sehen, was da so Unheimliches war, dass sich sogar die Jäger, Männer wie Lisas Vater, im Winter bei der Jagd von dem See fern hielten. Früher, als Lisa und Lilly noch klein gewesen waren, hatten sich immer nur dieselbe Antwort erhalten, wenn sie gefragt hatten, warum sie sich denn fern halten sollten. Es war immer: Die Eiskönigin holt dich dann in ihr Reich. Doch Lisa war längst zu alt, um noch an dieses Märchen zu glauben. Was ihr viel wahrscheinlicher erschien, war, dass die Jugendlichen, die im Winter verschwunden waren, irgendwo erfroren waren. Denn bei Temperaturen wie -50 Grad war das auch kein Kunststück. Und doch, sie wollte es wagen und sehen, was dieser See wirklich an sich hatte.

Diese Nacht sollte es soweit sein: Lisas Eltern und ihr jüngerer Bruder waren schon zu Bett gegangen, als sie heimlich wieder aufstand und ihre dicksten Sachen, mehrere Schichten über einander, anzog. Zum Glück hatte sie alles bereitgelegt und musste nicht in Schränken wühlen. Zusätzlich packte sie noch eine Thermoskanne mit Tee, die sie ebenfalls schon abgefüllt hatte. Da sie manchmal, wenn sie nachts aufwachte, Durst hatte und dann etwas Warmes brauchte, um weiterschlafen zu können, war das auch zum Glück nicht verdächtig gewesen. Dann verließ sie leise das Haus und machte sich auf den Weg, der zum Glück nicht allzu lang war. Um besser voranzukommen, folgte sie erst einmal Spuren von Hundeschlitten. Irgendwie bedauerte sie ja schon, ihre nicht mitgenommen haben zu können. Hunde wären jetzt in der Dunkelheit bestimmt tröstlich. Doch das wäre zu laut geworden, denn sie bellten immer, wenn sie angespannt wurden. Das wäre dann viel zu laut gewesen und hätte alle geweckt. Außerdem hätte das Anspannen Zeit gekostet. Zeit, die sie nicht hatte, denn sie wollte vor dem Morgengrauen wieder zurück sein. Durch die Spuren der Schlitten war aber zumindest das erster Stück das Vorankommen leichter. Schwieriger wurde es erst an einer Weggabelung, die man aber aufgrund des hohen Schnees nicht mehr sehen konnte. Zum Glück wusste Lisa sehr genau, wo sie lang gehen musste und dieses letzte Stück war auch nicht sehr lang. So kam sie nach kurzer Zeit am See an.

“Wow!”, schoss es ihr durch den Kopf. “Hier ist es wunderschön, fast wie in einer anderen Welt!”. Auf dem Eis und dem unberührten Schnee glitzerte das Mondlicht, das auf die Lichtung fiel. Durch den Vollmond, den reflektierenden Schnee und die vielen Sterne über ihr, war alles viel heller, als sie gedacht hatte. Die Taschenlampe brauchte sie dann wohl erst mal nicht. Vielleicht, so dachte sie, würde die Lampe auch eher die Stimmung kaputt machen und sie würde rein gar nichts über den See herausfinden können.

In der Nähe entdeckte Lisa einen höheren Fels, einen auf dem sie im Sommer oft gelegen hatte und die Wolken am Himmel beobachtet hatte, zusammen mit Lilly. Dort setzte sie sich hin und trank einen Schluck ihres Tees und genoss das Mondlicht und die Sterne.

Und plötzlich, Punkt Mitternacht, hörte sie plötzlich etwas weiter entfernt Wölfe heulen. Das war auch der Moment, in dem ihr etwas mulmig zumute wurde. Und kaum, dass das Heulen der Wölfe verklungen war, sah sie Schemen auf dem Eis. Es waren Schemen von Menschen, Menschen die einst in der kleinen Stadt gelebt hatten. Überwiegend waren es Teenager wie Lisa selbst. Bei genauerem Hinsehen erkannte sie sogar einige von ihnen wieder. Und dann sah sie sie: Lilly. Damit hatte sie nicht gerechnet. Freudig winkte sie ihr zu. Doch Lillys Blick war alles andere als freundlich. Er war eisig, etwas Tödliches lag in ihm. Im Hintergrund sah Lisa nun auch einen anderen Schatten, einen Schatten, der größer war als die der anderen und irgendwie fast königlich wirkte. Es schien eine Frau in Abendkleidern zu sein, inmitten einer Wolfgruppe - und sie schwebte genau auf Lisa zu. In dem Moment registrierte sie auch, dass Lilly sich von ihr abgewandt, der Frau zugewandt hatte und auf sie zeigte. Nun bekam Lisa richtig Angst, drehte sich um und floh denselben Weg zurück, den sie gekommen war. Erst als sie an dem ersten Haus ankam, hörte sie auf, sich zu beeilen. Als sie zu Hause ankam, schlotterte sie am ganzen Körper. Ob vor Angst oder Kälte, das wusste sie nicht. Sie entschied jedoch, gleich am nächsten Morgen zu ihrer Großmutter zu gehen. Ihre Großmutter war schon alt, wurde aber von vielen hier in der Stadt um Rat gefragt, wenn es etwas gab. Vielleicht konnte sie ihr weiterhelfen.

Als Lisa schließlich am nächsten Morgen zu ihrer Großmutter ging, hatte sie noch einen Kuchen dabei, den sie am Vortag gebacken hatte, da sie ohnehin vorgehabt hatte, sie zu besuchen. Als Lisa schließlich bei ihrer Großmutter ankam, schien es, als hätte diese sie bereits erwartet.Sie bat sich herein, bedankte sich für den Kuchen, bot Lisa eines an und bat sie, sich zu setzen, da sie mit ihr reden müsse. Ihre Großmutter holte noch zwei Tassen dampfenden Kaffees zum Kuchen und setzte sich dann zu Lisa auf die Couch. “Sag’ mal, Lisa,” begann sie, “kann es sein, dass du dich letzte Nacht zum See getraut hast?” “Ja”, antwortete Lisa. “Woher weißt du das?” “Nun, ich hatte so eine Ahnung. Ich weiß doch, wie sehr du an Lillys Verschwinden zu knabbern hast und du bist in dem Alter, in dem sich viele Jugendliche zum See trauen. Bitte beschreibe mir genau, was du gesehen hast.” Lisa tat, wie geheißen. Als sie geendet hatte, fragte sie, “bitte, Großmutter, was genau habe ich gesehen, oder meine gesehen zu haben?” “Mein liebes Kind”, antwortete diese, “dass, was du gesehen hast, waren die Gestalten als dem Jenseits, aus dem Reich der Eiskönigin und diese große Frau, die du beschreibst, war die Eiskönigin. Eines solltest du aber auf jeden Fall wissen: alle, die in diesem Reich sind, sind den Lebenden nicht mehr wohlgesonnen. Daher halte dich lieber vom See fern. Bitte versprich es mir.” Lisa versprach es und hielt sich auch an ihr Versprechen. Sie ging nie wieder zum See. Selbst im Sommer wollte sie nicht mehr zurück. Erst kam es anderen komisch vor, aber irgendwann liess man sie damit in Ruhe und akzeptierte ihren Wunsch.

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