(#WritingFriday): Die Villa am Ende der Straße

Die Villa am Ende der Straße

#WritingFriday Woche 21

Heute ist wieder Freitag und somit Zeit für den #WritingFriday von Elizzy. Die Regeln und die Schreibaufgaben für den Mai habe ich hier für euch zusammengefasst.

Die Villa am Ende der Straße

Anna betritt eine alte Villa am Ende der Stadt, sie wird sie jedoch nie wieder verlassen. Erzähle was passiert ist.

Weit draußen, am Rande der Stadt und ganz am Ende der Straße, stand eine große, alte Villa. Düster und bedrohlich ragte sie vor dem Wald auf, der hinter ihr begann. Genau so düster wie der Anblick der Villa war, war auch ihre Geschichte, oder besser gesagt, die Gerüchte, die sich um die Villa und ihre Bewohner rankten. Was genau in den alten Mauern so alles geschehen war, das wusste in der kleinen Stadt niemand so genau und genau so wenig wussten die Stadtbewohner, ob die alte Villa wirklich so verlassen war, wie es denn Anschein hatte. Schließlich hielten die Gerüchte die Bewohner der Stadt auch davon ab, auch nur einen Fuß in die Villa zu setzen. Doch all das wusste Anna nicht, denn sie war auf einer Reise. Anna war Fotografin und sie sollte für das Magazin, für das sie arbeitete, eine Dokumentation über kleine Städte machen. So war sie auch in Winter’s Rock, einer kleinen Stadt in Kanada gelandet. Die Geschichte der kleinen Stadt hatte unter anderem mit dem Goldrausch zu tun, und nur aus dem Grund war der Ort interessant für sie gewesen. Allerdings interessierte sich Anna privat sehr für alte Gebäude und deren Geschichte und fotografierte auch Lost Places sehr gerne. Sie war durch ihr Urban Exploring schon an vielen Orten gewesen und hatte sie fotografiert. Daher wurde sie von der alten Villa fast schon magisch angezogen. Leider konnten ihr die Bewohner nicht wirklich Auskunft über die Geschichte geben. Der einzige Rat, den sie von allen bekam, war, sich bloß von der Villa fernzuhalten. Auch ihre Recherchen über die Villa blieben ergebnislos. Daher entschied sie sich, den Ratschlag der Einwohner in den Wind zu schlagen und sich am nächsten Tag zu Fuß zur alten Villa aufzumachen, um selbst etwas herauszufinden. Vielleicht war die Villa wichtig für ihre Dokumentation oder sie konnte sogar eine eigene Dokumentation über die Villa zusätzlich verfassen. Eine Dokumentation, die sie vielleicht sogar richtig berühmt machen würde.

Früh am nächsten Morgen begab sich Anna nun auf den Weg zur Villa. Da diese etwas außerhalb lag, packte sie für den Tag außer der Kamera und ihrem Notizblock noch eine Tagesration zum Essen und zwei Wasserflaschen in den Rucksack. Von ihren früheren Erkundungstouren wusste sie, dass sie besser etwas zu viel dabei haben sollte, als zu wenig. Dann machte sie sich auf den Weg. Da ihr Hotel am anderen Ende der Stadt lag, musste sie diese erst durchqueren, bevor sie zu der Straße kam, an deren Ende die Villa lag. Dass ihr eine Reise ohne Wiederkehr in den Ort bevorstand, ahnte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Schließlich gelangte sie zu der Straße. Mittlerweile hatte Anna ein ungutes Gefühl und in ihrem Kopf hatte sich der Gedanke festgesetzt, bloß umzukehren, solange sie noch konnte. Gleichzeitig schien die alte Villa sie zu rufen und wie magisch anzuziehen. Schließlich fand sie sich schneller als gedacht vor dem großen Tor wieder, dass das Grundstück von dem Rest der Staße abtrennte. Erst jetzt fiel ihr auf, dass sie schon seit längerer Zeit keine Menschen mehr gesehen hatte und auch Häuser waren in der ganzen, relativ langen Straße keine mehr gewesen. Selbst Vogelgezwitscher hörte sie keines mehr. Es war wirklich totenstill. Alles in Anna wehrte sich mittlerweile, das Grundstück auch nur zu betreten und trotzdem öffnete sie die Tür. Es war, als hätte eine andere Macht die Kontrolle über ihren Körper übernommen. Anna ging wie angezogen auf die große dunkle Eingangstür zu. Schließlich erreichte sie sie und öffnete diese. Ein Zurück schien es schon lange nicht mehr zu geben. “Hallo! Hallo, ist da jemand?”, rief Anna beim Eintreten. Niemand antwortete. Das Einzige, was sie hörte, war die Tür, die hinter ihr ins Schloss fiel. Das Foyer, in dem Anna sich nun befand, wirkte genau so verfallen, wie die ganze Villa von außen. Mittlerweile hatte Anna total ihre Kamera vergessen, obwohl ihr diese an einem Band um den Hals hing. Vom Foyer führte eine große Treppe nach oben auf eine Galerie, die sich in beide Richtungen erstreckte und unten führte eine große Flügeltür in einen angrenzenden Saal. Wieder rief sie: “Hallo, ist jemand da?”, und wieder bekam sie keine Antwort. Das Einzige, was sie hörte, war das Knarren von Holz und der Wind, der wahrscheinlich durch Lücken in die alte Villa blies. Anna entschied sich, die Treppe hochzugehen, bevor sie sich unten weiter umschaute. Oben angekommen, ging sie nach links auf eine Tür zu. Als sie diese öffnete, stockte ihr der Atem. Sie sah eine weite, offene Graslandschaft. Es schien Nacht zu sein, denn es war dunkel und am Himmel funkelten Sterne. In der Ferne hörte sie Stimmen und Lachen. Es war die schönste Landschaft, die sie je gesehen hatte. Wie angezogen, ging sie durch die Tür, die hinter ihr ins Schloss fiel. Anna drehte sich nicht um, mittlerweile war es ihr egal. Es schien, als hätte diese Tür und dieses Haus nur auf sie gewartet. Mittlerweile wurde ihr auch klar, warum die Gerüchte so düster waren: niemals war jemand aus der Villa zurückgekehrt und auch sie würde nicht zurückkehren. Doch das war ihr egal, denn sie wollte es nicht mehr. Zu schön war es hier. Keines ihrer Probleme existierte hier in dieser Welt, sie konnte mit allem von vorne beginnen und ihre eigene dunkle Vergangenheit hinter sich lassen. “Vielleicht”, so ging es ihr in dem Moment durch den Kopf, “ist das sogar der Zweck der Villa. Den Menschen mit einer traurigen, düsteren Vergangenheit, eine Möglichkeit, in einer ganz anderen Welt ein neues Leben zu schenken.” Aber das würde sie nicht mehr herausfinden - und wollte es auch gar nicht. Viel lieber wollte sie diese Landschaft erkunden und herausfinden, woher Stimmen und Lachen kamen.

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